Vakuumversiegelungstherapie ist in der Ambulanz angekommen

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Bei der Vakuumversiegelungstherapie (VVS) – auch Unterdruck-Wund-Therapie genannt – wird die Wunde luftdicht abgedeckt und über einen dünnen Schlauch mit einer Vakuumpumpe verbunden. Die Wundflüssigkeiten werden über dieses geschlossene System kontinuierlich abgesaugt. Durch den dabei entstehenden Unterdruck verbessert sich die Durchblutung in der Wunde. Sie wird alternativ zur konventionellen Wundbehandlung eingesetzt bzw. konsekutiv bei primärem Versagen der konventionellen Wundbehandlung.

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Nach Maßgabe des G-BA-Beschlusses vom 19.12.2019 kann die Vakuumversiegelungs- bzw. Unterdruck-Wundtherapie (engl.: Negative Pressure Wound Therapy, NPTW) nicht nur zum primären Wundverschluss im Krankenhaus, sondern seit dem 1.10.2020 auch zur sekundären Wundheilung in der ambulanten Versorgung als Methode zur Wundbehandlung zulasten der gesetzlichen Krankenversicherer eingesetzt werden. Voraussetzung für die Anwendung der Vakuumversiegelungstherapie ist, dass durch die Standardwundbehandlung aufgrund wund- oder patientenspezifischer Risikofaktoren keine ausreichende Wundheilung zu erwarten ist.

Hintergrund dieser Erweiterung des vertragsärztlichen Leistungsspektrums ist die Auswertung einer Studie vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) an der insgesamt 4.315 Patientinnen und Patienten mit sekundären Wundheilungsstörungen sowie 6.981 Patientinnen und Patienten mit primären Wundheilungsstörungen teilgenommen haben.

Das Ergebnis der Datenlagen war in beiden Fällen eindeutig und schlug sich letztlich positiv in der Bewertung des gesundheitsökonomischen Nutzens und der medizinischen Notwendigkeit dieser besonderen Therapieform nieder:

die Vakuumversiegelungstherapie ist der Standardversorgung bei bestimmten Wunden in Punkto Infektionsvermeidung und Wundverschluss überlegen. Es ist statistisch belegt, dass die Vakuumversiegelungstherapie auf Grund des Abflusses von überschüssigem Exsudat sowie der Ödemreduktion und der verbesserten Durchblutung zu einer Verkürzung der Wundheilungszeiten beitragen kann.

 

Primäre und sekundäre Wundheilung

Gegenstand der Vakuumversiegelungstherapie ist zum einen die intendierte primäre Wundheilung, also die Behandlung von Wunden, wie sie typischerweise postoperativ entstehen, beispielsweise in der Endoprothetik, der Geburtshilfe (Kaiserschnitt), der Abdominal-, der Herz- und der Gefäßchirurgie. Beim sogenannten sekundären Wundverschluss ist der Einsatz der Vakuumversiegelungstherapie auf ein breites Spektrum anderer Wunden (Ulcus Cruris, Dekubitus, Amputationswunden, diabetische Fußwunden, offene Frakturen u. v. m.) ausgerichtet, die typischerweise ambulant versorgt werden. Hier ist die Neubildung von Gewebe vorrangig intendiert. Neben verschiedenen operativ tätigen Facharztgruppen sind zur Durchführung der Vakuumversiegelungstherapie zum intendierten sekundären Wundverschluss berechtigt:

  • Fachärztinnen und Fachärzte für Allgemeinmedizin,
  • Fachärztinnen und Fachärzte für Innere Medizin und Angiologie,
  • Fachärztinnen und Fachärzte mit der Zusatzweiterbildung Phlebologie,
  • Fachärztinnen und Fachärzte für Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie,
  • Fachärztinnen und Fachärzte mit der Zusatzweiterbildung „Diabetologie“ oder der Bezeichnung „Diabetologe Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)“

 

Aspekte der Leistungserbringung

Die Durchführung der Vakuumversiegelungstherapie ist in ein medizinisches Behandlungskonzept einzubetten. Dies schließt neben den Verbandwechseln eine regelmäßige ärztliche Kontrolle der Wundheilung sowie Überprüfung der Indikation im Behandlungsverlauf ein. Als apparative Anforderungen für die Vakuumversiegelungstherapie sind zertifizierte Medizinprodukte zu verwenden. In die Verordnung eingeschlossen sind sowohl das System zur Erzeugung des Unterdrucks, als auch die hierfür nötigen Verbrauchsmaterialien. Für den ambulanten Bereich werden vorwiegend mobile Systeme zur Vakuumversiegelung angeboten, die den Unterdruck mit geringem apparativen Aufwand erzeugen und entweder Container oder superabsorbierende Wundauflagen zur Aufnahme des Wundexsudats nutzen, um den Patienten und Patientinnen eine bessere Beweglichkeit unter der laufenden Therapie zu ermöglichen.

 

Einbindung der Pflege

Neben dem Leistungseinschluss für die ambulante Versorgung hat der G-BA die Leistungserbringung in der stationären pflegerischen Versorgung bestätigt. Bei der Versorgung von Wunden, insbesondere von chronischen und schwer heilenden Wunden, sind die Leistungen Anlegen, Wechseln von Verbänden, Wundheilungskontrolle, Desinfektion und Reinigung, Spülen von Wundfisteln, Versorgung von Wunden unter aseptischen Bedingungen einschließlich einer bedarfsweisen Anleitung zu krankheits- und wundspezifischen Maßnahmen, Bestandteil der HKP-Richtlinie und können für chronische und schwer heilenden Wunden entsprechend der Nummer 31a des Leistungsverzeichnisses für die Erst- bzw. Folgeversorgung vom Vertragsarzt zugunsten eines spezialisierten Pflegeleistungserbringers verordnet werden.

 

Ärztliche Vergütung

Die Höhe der ärztlichen Vergütung für die Vakuumversiegelungstherapie ist im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) festgesetzt und in die dortigen Leistungsziffern eingeflossen. Unterschieden wird auch hier zwischen primärem und sekundärem Wundverschluss. Die Leistungen zum primären Wundverschluss können nur operativ tätige Fachärzte abrechnen, während die Abrechnung beim intendierten sekundären Wundverschluss von praktischen Ärzten und einer Vielzahl von Fachärzten durchgeführt werden kann (siehe oben). Die Zuschläge für den primären Wundverschluss bei ambulanten Operationen sind im EBM-Kapitel 31.1 festgelegt (GOP: 31401=7,47 Euro und 36401= 7,03 Euro). Die Sachkosten können Ärzte über die neuen Kostenpauschalen 40900 bis 40903 aus dem neuen Abschnitt 40.17 des EBM zunächst extrabudgetär abrechnen. Die GOP sind als Zuschlag zu einem Eingriff des EBM-Abschnitts 31.2 (ambulante Operationen) beziehungsweise 36.2 (belegärztliche Operationen) einmal am Behandlungstag berechnungsfähig. Die Details der anzuwendenden Zusatzpauschale für den sekundären Wundverschluss sind in den Abschnitt 2.3 EBM für kleinchirurgische Eingriffe unter der GOP: 02314 (=14,83 Euro) eingeflossen.

 

Fazit

Die Vakuumversiegelungstherapie stellt in der Versorgung von bestimmten chronischen und schwer heilenden Wunden eine echte Therapieoption dar. Die Einbindung in die ambulante Leistungsstruktur sorgt bei den betroffenen Patientinnen und Patienten für deutlich mehr Lebensqualität. Die mobilen Systeme versprechen mehr Bewegungsfreiheit und ermöglichen den Patienten gegebenenfalls auch die Teilnahme am aktiven Leben. Grundvoraussetzung hierfür ist freilich deren Therapietreue, der eine entsprechende Aufklärung und Einweisung im Umgang mit dem System vorauszugehen hat.

 

Sollten Sie noch Fragen haben, oder Unterstützung benötigen, kontaktieren Sie uns gerne kostenfrei und unverbindlich telefonisch unter 0800 78 66 200, oder per Mail an convatec.servicede@convatec.com

 

 

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